pte20090212027 in Forschung

Quelle giftiger Partikel beim Laserdruck identifiziert

Eine Mrd. Partikel pro Ausdruck durch Dämpfe und Temperaturwechsel


Brisbane/Hamburg (pte027/12.02.2009/13:10) Beim Ausdruck mit einem Laserdrucker belastet die Fixierung der Druckseite wie auch der häufige Temperaturwechsel die Luft mit giftigen Kleinstpartikeln. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Queensland University of Technology (QUT) http://www.qut.edu.au . Sie suchten nach der genauen Herkunft des belastenden Feinstaubs und der ultrafeinen Partikeln, die bereits in zahlreichen früheren Studien als Ausstöße von Laserdruckern nachgewiesen worden waren. Dabei identifizierte man zwei verschiedene Formen, in denen Laserdrucker Partikel ausstoßen. "Je mehr sich der Drucker erhitzt, umso eher formen sich diese Partikel, doch auch die Häufigkeit des Temperaturwechsels spielt eine Rolle", so die Studienautorin Lidia Morawska gegenüber ScienceDaily. Das Forschungsergebnis soll den Konsumenten die Mechanismen verständlich machen, die bei Laserdruckern zu höherer Belastung führen und die Entwicklung emissionsloser Drucker beschleunigen.

Die Untersuchung verglich einen Drucker mit hohen Ausstößen mit einem, der nur wenige Partikel freisetzte. Der erste arbeitete bei einer niedrigeren Durchschnittstemperatur, vollzog jedoch schnelle Temperaturveränderungen, die zu mehr Ausstößen von kondensiertem Dampf führten. Hingegen zeigte sich beim Drucker mit der besseren Temperaturregelung ein reduzierter Ausstoß ultrafeiner Partikel. Als zweites Kriterium für den Partikelausstoß erkannten die Forscher den Dampf, der im Moment der Fixierung des gedruckten Bildes auf das Papier freigesetzt wurde. "Beim Druckprozess wird Tonerfarbe geschmolzen. Wenn diese warm ist, verdampfen bestimmte Inhaltsstoffe. Diese Dämpfe verschmelzen oder kondensieren in der Luft und bilden die ultrafeinen Partikel", erklärt Morawska. Die freigesetzten Materialien seien somit das Ergebnis der Kondensation von organischen Inhaltsstoffen, die sowohl vom Papier als auch vom heißen Toner abstammen.

Für Schlagzeilen sorgte Morawska erstmals 2007 mit Raumluftmessungen. Sie wies nach, dass die hohe Feinstaubbelastung, die sie in Büros feststellte, nicht aus eindringenden Abgasen des Straßenverkehrs entstammte, sondern durch Bürogeräte selbst hervorgerufen wurde. Zahlreiche Studien haben seither mehr Licht in die dunkle Seite des Laserdrucks gebracht und stets neue Elemente entdeckt, die etwa die Schleimhäute des Menschen angreifen und teilweise krebserregend sind. "Gezeigt wurde etwa, dass jede gedruckte Seite eine Mrd. Partikel im Raum freisetzt", sagt Hans-Joachim Stelting, Vorsitzender der Stiftung nano-Control http://www.nano-control.de , im pressetext-Interview. Die Druckerindustrie habe sich an bestimmten Studien beteiligt, die die Art und Herkunft der Partikel erforschten. Der nach Ansicht Steltings wichtigste Bereich sei dabei jedoch stets ausgespart geblieben. "Bisher fehlt der Nachweis, wie sich Laserdrucker auf die Gesundheit des Menschen auswirken", so der Hamburger Feinstaubspezialist. In diesem Jahr soll dieses Versäumnis durch eine groß angelegte Studie nachgeholt werden.

Ein Streitpunkt unter Wissenschaftlern ist noch immer die Rolle des Toners für die Luftbelastung. Eine Studie des WKI Braunschweig http://www.wki.fraunhofer.de stellte fest, dass Nanopartikel aus Laserdrucker überwiegend keine Tonerpartikel sind. "Dennoch setzt ein auch nur geringer Ausstoß des Toners von einem Prozent pro Seite zig Millionen Partikeln in die Luft frei", so Stelting. Zudem sei die Oberfläche der Toner-Feinstaubpartikel mit ultrafeinen Sekundärpartikeln besetzt. Ultrafeine Partikel sind noch um den Faktor zehn bis 1.000 kleiner als Feinstaub und liegen damit fast im atomaren Bereich. "Sie haben fast keine Masse und können nur Partikelzähler mit Laserlicht festgestellt werden", erklärt Stelting.

Je kleiner die Partikel seien, desto größer sei auch die Gefahr, die sie für die Gesundheit des Menschen bedeuteten, so Stelting. Nanopartikel haben eine große reaktive Oberfläche, weswegen sogar harmlose Stoffe als ultrafeine Partikel toxisch wirken können. "Die Chemikalien in Tonern sind aber alles andere als harmlos. Es ist zu befürchten, dass die Gifte in Tonern als ultrafeine Partikel emittiert werden, wie Trojaner in die Blutbahn eindringen und so den Menschen schädigen", so der Hamburger Feinstaubexperte. Das Emissionsverhalten sei bei den Druckermodellen zwar sehr unterschiedlich, doch habe der Konsument derzeit kaum Möglichkeit, dies zu überprüfen. "Es gibt keine Richtlinien und Grenzwerte. Bisherige Prüfzeichen für Laserdrucker decken die Schadstoffe nicht ab und kontrollieren sie auch nicht", so Stelting. Auch Arbeitsschutz-Richtlinien könnten wenig bewirken, da viele Drucker im Privathaushalt stehen.

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