pts20070509036 Unternehmen/Wirtschaft, Bauen/Wohnen

Avivre Consult: Bedarfsentwicklung der Betten in der Stationären Pflege schwankt


Bad Homburg (pts036/09.05.2007/14:00) Die Avivre Consult GmbH sieht zukünftig insgesamt einen steigenden Bedarf an stationären Pflegeplätzen und damit auch an neuen Pflegeeinrichtungen. Das hat eine Studie des Bad Homburger Beratungsunternehmens ergeben.

Dabei hat die Avivre Consult GmbH die Zahlen des im Februar erschienen Pflegeberichts des statistischen Bundesamtes zur Bevölkerungsvorausberechnung der Anzahl der Betagten und höchstbetagten übernommen, diese mit der derzeitigen Pflegewahrscheinlichkeit der einzelnen Alterskohorten zusammengeführt, den Bettenbedarf auf einer jährlichen Basis errechnet und diesen dann bis zum Jahr 2040 fortgeschrieben.

"Daraus ergeben sich zum Teil erhebliche Schwankungen des zusätzlichen Bedarfs, die von Überkapazitäten bis zu einem Neubaubedarf von ca. 25.000 Betten pro Jahr reichen", berichtet der Geschäftsführer der Avivre Consult Frank Löwentraut.

Die Grafik (siehe PDF) zeigt den zusätzlichen rechnerischen Bedarf pro Jahr basierend auf den Rahmenbedingungen 2006/2007 in Bezug auf die Pflegewahrscheinlichkeit nach Alter und den Prognosen der demografischen Entwicklung der Bevölkerung des statistischen Bundesamtes.

Die erste Auffälligkeit ist der sinkende Bedarf an zusätzlichen Pflegeheimplätzen ab 2014 bis zum Jahr 2019, so Löwentraut. Dies ist auf den Geburtenausfall während der Weltwirtschaftskrise um 1932 zurückzuführen. Die um 1932 nicht Geborenen wären in 2014 bis 2019 mit 82 bis 87 Jahren in der Alterskohorte mit der zweithöchsten Pflegewahrscheinlichkeit gewesen.

Drastischer sieht es in den Jahren 2024 bis 2032 aus. Hier kommt es zu rechnerischen Überkapazitäten, wegen einer negativen Bedarfsentwicklung. Dies ist auf die Geburtenausfälle Ende des 2. Weltkriegs zurück zu führen. Ab 2032 ist wieder ein starker Anstieg des zusätzlichen Bedarfs auf bis zu 30.000 Betten pro Jahr zu verzeichnen. Dies liegt an den Babyboomern (in Deutschland nur in der Zeit von 1955 bis 1965), die in das Alter der Pflegebedürftigkeit kommen.

Wenn die Pflegewahrscheinlichkeit sich in der heutigen Form fortsetzt, wird der Pillenknick, der in Deutschland ab 1965 zu sinkenden Geburtenraten wegen der Antibabypille führte, erst gegen Ende des Jahrzehnts 2040 zu einem, dann aber drastisch sinkenden Bedarf, führen.

Die Entwicklung des Kapitalbedarfs wird in der folgenden Grafik dargestellt. Löwentraut hat als Basis die von Löwentraut Research & Valuations GmbH ermittelten durchschnittlichen Kaufpreise pro Bett aus dem Jahr 2006 von ca. Eur 83.000 im Mittelwert Grunde gelegt. Zudem wurden in den Kapitalbedarf die Ersatzbauten in Höhe von 2% des Gesamtbettenbestandes pro Jahr eingerechnet (Basis: Lebensdauer einer Einrichtung 50 Jahre) und eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,8% angenommen. (Grafik siehe PDF)

In der Spitze werden bis zu Eur 8 Mrd. pro Jahr benötigt um den Neubau und den Ersatzbedarf von Pflegeplätzen zu refinanzieren. Die Sanierung der nicht mehr marktgerechten Betten, ca. 300.000, wurden in den Ersatzbedarf eingerechnet in dem 2% des Gesamtbestandes als Ersatzbau, als konservative Schätzung, angenommen wurden.

Alle Zahlen beziehen sich auf 2005

* Zusätzlicher Bedarf (rechnerisch)- bis 2030 - 252.000
* Zusätzlicher Bedarf (rechnerisch)- bis 2040 - 334.000
* In Einrichtungen (durchschnittlich 120 Plätze) bis 2030 - 2.100
* In Einrichtungen (durchschnittlich 120 Plätze) bis 2040 - 2.780
* Neubaumittel basierend auf Eur 83.000 pro Platz bis 2030 Eur 20,9 Mrd.
* Neubaumittel basierend auf Eur 83.000 pro Platz bis 2040 Eur 27,7 Mrd.
* Neubau- und Ersatzmittel kumuliert bis 2030 Eur 64,8 Mrd.
* Neubau- und Ersatzmittel kumuliert bis 2040 Eur 104,8 Mrd.

(Diese Daten sind auch als Tabelle im angehängten PDF zu sehen)

Sollte die Heimmindestbauverordnung im Bestandsschutz geändert und damit die Nutzungsdauer auf 33 Jahr verringert werden, steigt der Kapitalbedarf durch gestiegene Ersatzbaumittel auf insgesamt auf Eur 84,6 Mrd. bis 2030 und auf Eur 139,5 Mrd. bis 2040 bei gleichbleibendem Bedarf und den heute gültigen Rahmenbedingungen von Pflegewahrscheinlichkeit und Verweildauer.

"Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich eben diese Rahmenbedingungen ändern und den tatsächlichen Bedarf an neuen Pflegeplätzen nach unten revidieren werden", so Löwentraut.

Die durchschnittliche Verweildauer in den stationären Pflegeeinrichtungen ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. So verzeichnete man Ende der 90 ziger Jahre des letzten Jahrtausends noch durchschnittlich über 700 Tage in den Einrichtungen. Heute sind es nur noch unter 300 Tage, Tendenz weiter sinkend mit wahrscheinlich unter 200 Tagen ab 2010.

Die sehr starke Absenkung der Verweildauer und damit Bedarfsverringerung wird teilweise durch die Überalterung der Pflegegebenden zuhause, aufgefangen, die ihre Angehörigen nicht mehr versorgen können und in eine stationäre Pflegeeinrichtung geben müssen.

Die sich abzeichnenden Reduzierungen der Refinanzierung der Pflegekosten durch die Pflegeversicherung werden zu der sinkenden Verweildauer beitragen, insbesondere aufgrund gestiegener Kosten für die Selbstzahler. Man wird die Angehörigen noch länger zuhause versorgen. Das durch den Geburtenrückgang fehlende Töchter Potential und die steigende Anzahl der Ein-Personen Haushalte sind Attribute, die eine Bedarfsverringerung, allerdings nur teilweise, ebenfalls kompensieren können.

Nicht vorhersehbar und daher auch nicht kalkulierbar ist der medizinische Fortschritt gerade in der Behandlung von dementiell veränderten Menschen. "Dieser Umstand könnte einen erheblichen Effekt haben, insbesondere da heute 70% der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen dementiell verändert sind", konstatiert Löwentraut.

Die nach Einschätzung von Löwentraut realistische Bedarfzahl an zusätzlichen Plätzen dürfte bei 175.000 bis 200.000 liegen, wenn die vorgenannten Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden. "Dies ist immer noch eine enorm hohe Zahl", meint Löwentraut. Bei einer durchschnittlich angenommenen Größe von 120 Plätzen sind dies bei einem Bedarf von ca. 175.000 Betten ca. 1.460 Einrichtungen die in nur 23 Jahren erbaut werden müssen mit einem geschätzten Kapitalbedarf von ca. Eur 14,5 Mrd. bis Eur 18,0 Mrd. bezogen auf Eur 83.000 pro Bett.

Dies bedeutet, dass rechnerisch 63 Einrichtungen bis 2030 pro Jahr gebaut werden müssen. Wird der Ersatzbau mit 2 % des Bestandes berücksichtigt, so kämen nochmals 123 Einrichtungen mit je 120 Betten pro Jahr dazu.

Die Avivre Consult GmbH berät bei der Planung, Bewertung, Detailprüfung und der Strategieentwicklung von Gesundheits- und Sozialbetrieben. Eine ganze Reihe von Insolvenzen in den Bereichen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen hatten Kapitalgeber verunsichert. Das Scheitern der Unternehmen lag häufig daran, dass an den Bedürfnissen der Märkte vorbei geplant und gebaut wurde. Umstände, die eindeutig auf eine mangelnde Markttransparenz zurückzuführen sind. Der Beratungsbedarf bei den Betreibern und Investoren dieser Einrichtungen sowie den Kapitalgebern ist damit immer umfangreicher und detaillierter geworden. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen beim Betrieb und bei der Beratung von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen genießen die Geschäftsführung und die Mitarbeiter der Avivre Consult GmbH eine hohe Akzeptanz bei Betreibern und Kapitalgebern.

Diese Pressemitteilung ist mit weiteren Grafiken und Tabellen auch als PDF verfügbar. (siehe Anhang)

Pressekontakt:
Frank Löwentraut (Geschäftsführer Avivre Consult GmbH)
Avivre Consult GmbH
Querstrasse 5
61350 Bad Homburg
Tel: 06172-1776880
Fax: 06172-1776882
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(Ende)
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