pte19971021017 in Business

Experten diskutieren pränatale Therapie

Angeborene Fehlbildungen wesentliche Todesursache bei Säuglingen


Münster (pte) (pte017/21.10.1997/17:35) Angeborene Fehlbildungen sind die drittwichtigste Todesursache bei Säuglingen. Deshalb rückt das ungeborene Leben und die vorgeburtliche Diagnostik immer stärker in den Blickpunkt der Ärzte und Forscher, war die einhellige Meinung auf der 23. Jahrestagung der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft für pädiatrische Intensivmedizin in Münster.

Die in der öffentlichen Debatte umstrittene pränatale Diagnostik soll bereits im Mutterleib erste Hinweise auf Fehlbildungen geben. Für Gerhard Joch von der Universität Münster überwiegen die Vorteile: "Der Arzt und die Familie können vorbereitet an die Geburt gehen. Die Kinder können schneller und effektiver behandelt werden."

Aber nicht jede mögliche Krankheit kann mit heutigen Mitteln erkannt werden. Umgekehrt ist manche vorgeburtliche Diagnose nicht mehr als eine Wahrscheinlichkeitsannahme. Kritiker werfen ihr deshalb vor, die Disziplin führe zu einer menschenverachtenden Abtreibungsmedizin. Daß die Neugeborenenärzte auf einem schmalen Grat wandern, weiß auch Peter Bartmann von der Kinderklinik der Universität Bonn. Er hofft aber, daß bald die molekularen, genetischen Ursachen für viele Erkrankungen verstanden werden.

Ein neues, in Bonn entwickeltes Verfahren zur präzisen Diagnostik der Glasknochenerkrankung, geht in diese Richtung. Die Krankheit kann durch verschiedene Gendefekte ausgelöst werden, die zu einer Störung der Collagen-Biosynthese führen. In einigen Fällen bleibt sie relativ harmlos auf, in anderen verläuft sie sehr schwer. Um den Verlauf vorhersagen zu können, entnehmen die Forscher dem Fötus durch die Nabelschnur Blutzellen. Diese Zellen lassen sich erheblich besser vermehren als Zellen aus dem Fruchtwasser. Die Forscher suchen in ihnen nach DNS und bestimmen die Natur des Defekts.

Weltweit ist eine solche Analyse derzeit nur an rund vier Laboratorien möglich. Damit könne aber, so Bartmann, präzise vorausgesagt werden, ob der Säugling wenige Wochen nach der Geburt sterben werde, oder ob eine realistische Chance auf Heilung besteht. Die pränatale Therapie allerdings werde noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen, so Bartmann.

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