pte20250321003 in Business

Fußballvereine bewerten junge Spieler falsch

Geburtsdatum in den meisten Fällen ausschlaggebend - Systematische Fehler kosten Millionen


Spieler: Talent-Scouts suchen meist die Falschen aus (Foto: Alexander Fox, pixabay.com)
Spieler: Talent-Scouts suchen meist die Falschen aus (Foto: Alexander Fox, pixabay.com)

Berlin/Lüneburg (pte003/21.03.2025/06:10)

Sportvereine bewerten ihre jungen Talente systematisch falsch und verzichten somit auf Millionen. Das zeigt eine Studie der ROCKWOOL Foundation Berlin um Lukas Tohoff und Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg. "Die Vereine verlieren Millionen, weil sie kurzfristige körperliche Vorteile mit echtem Talent verwechseln und sehr gute Spieler übersehen. Unsere Ergebnisse aus Deutschland lassen sich übertragen auf andere Sportarten und die meisten Fußball-Ligen in Europa und Südamerika", so Tohoff.

"Vorteile" oft irreführend

Jugendspieler werden nach Leistung aus ihren Geburtsjahrgängen ausgewählt. Diejenigen, die früher in einem Jahr geboren wurden, sind zunächst körperlich weiterentwickelt. "Diese kurzfristigen Vorteile führen dazu, dass besonders viele Spieler aus den ersten Monaten eines Jahres in die Nachwuchs-Leistungszentren aufgenommen und dann gefördert werden. Dadurch fallen viele Talente aus dem zweiten Halbjahr durch das Raster, denn sie werden zunächst unterschätzt", sagt Mechtel.

Würden alle Vereine das machen, könnten die Preise aber auch wieder etwas sinken. "Mit einer ausgewogeneren Auswahl ließe sich das beheben. Jeder einzelne Verein, der Nachwuchsspieler verkauft, könnte höhere Erlöse erzielen. Sie wären dann im Verlauf ihrer Karriere im Durchschnitt 1,7 bis 2,2 Mio. Euro wert statt 1,3 Mio. Euro", so die Experten in ihrer im "Journal of Sports Economics" publizierten Studie. 2.383 ehemalige U15- bis U19-Spieler aus den 17 erfolgreichsten Zentren in Deutschland wurden analysiert.

Erst abwarten, dann kassieren

Die Untersuchung zeigt, dass 44,6 Prozent der geförderten U-19-Fußballspieler im ersten Vierteljahr geboren wurden, statt etwa 25 Prozent, wie es ihrem Anteil am Jahrgang entspräche. 71,5 Prozent sind aus dem ersten Halbjahr, statt 50 Prozent. Die wenigen Spieler aus dem zweiten Halbjahr verfügen aber im Durchschnitt über mehr Talent, denn sie entwickeln sich später viel besser und erzielen höhere Marktwerte. "Das ist ein klares Zeichen für fehlerhafte Auswahlprozesse", meint Tohoff.

(Ende)
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