pte20250404002 in Forschung

KP kontrolliert Inhalte in Chinas Zeitungen

Unliebsame, auch unpolitische Themen werden laut Studie der University of Oregon verdrängt


Zeitung: In Chinas Zeitungen wimmelt es von Regierungspropaganda (Foto: Andrys Stienstra/pixabay.de)
Zeitung: In Chinas Zeitungen wimmelt es von Regierungspropaganda (Foto: Andrys Stienstra/pixabay.de)

Eugene (pte002/04.04.2025/06:05)

Chinas politische Führung versucht zunehmend, den Lesern von Zeitungen mithilfe von Propaganda eine heilere Welt vorzugaukeln. Damit will sie von Negativereignissen ablenken oder diese vollends aus der Berichterstattung verdrängen, besagt eine Studie der University of Oregon. Dass dies aufgehen kann, zeigt sich beispielsweise in Japan. Dort fallen, obwohl es Möglichkeiten gibt, sich unabhängig zu informieren, viele Menschen auf Progagandalügen herein, wie pressetext berichtete.

Propaganda hat zwei Ziele

Die Infolage in China hat Hannah Waight gemeinsam mit ihren Mitarbeitern analysiert. Danach ist Propaganda nicht nur ein Instrument zur Verbreitung ideologischer Inhalte. Vielmehr wird diese letztlich auch zur Kontrolle und Einschränkung anderer Arten von Informationen jenseits politischer Ideale eingesetzt, zu denen die Berichterstattung über Naturkatastrophen und die öffentliche Gesundheit in der Volksrepublik gehören, so die Ergebnisse der Forscher.

"An besonders heiklen Tagen werden bis zu 30 Prozent der Inhalte großer Zeitungen in China vom Staat gesteuert. Der Einsatz von Propaganda verdrängt unabhängige Berichterstattung und verzögert die Infoweitergabe bei Krisenereignissen wie Erdbeben und die Anfänge der COVID-19-Pandemie", erklärt so Waight. Staatlich gesteuerte Propaganda sei in China fast täglich zu beobachten ist. Im Schnitt werde mindestens ein Artikel auf der Titelseite von Parteizeitungen vom Staat verfasst, was sich im Laufe eines Jahrzehnts vervierfacht hat.

Eigene Messmethode entwickelt

Waight und ihr Team haben eine eigene Messmethode entwickelt, um staatlicher Propaganda auf die Spur zu kommen. Dazu verglichen sie reale Ereignisse mit durchgesickerten Dokumenten, die sie von der "China Digital Times", einer in den USA ansässigen gemeinnützigen Medienorganisation, erhalten hatten. Diese Dokumente enthielten Anweisungen der Regierung darüber, was Zeitungen drucken sollten.

Daraus konnten die Wissenschaftler eine Formel konzipieren, mit der sie Propaganda in Zeitungsartikeln identifizierten. Diese wandten sie auf Millionen von Zeitungsartikeln an, die zwischen 2012 und 2022 in China erschienen, der Zeitspanne, in der Präsident Xi Jinping seine Macht konsolidierte.

Als Musterbeispiel gilt die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem verheerenden Erdbeben in Sichuan im Jahr 2008, bei dem fast 90.000 Menschen starben und Millionen von Häusern zerstört wurden. Dass löste Kritik etwa an der Bauaufsicht aus. Die Regierung habe mit eigenen Texten zu den Folgen des Erdbebens dagegengehalten.

(Ende)
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